Daniel Stoll 

 

Sehr geehrtes Publikum,

Wie Sie sicher alle wissen, stehen am Sonntag, dem 26.05., sowohl die Kommunal- als auch die Europawahlen an. Da viele von uns, an den Europawahlen nicht teilnehmen können, bin ich froh, dass so viele erschienen sind, um auch hier in Singen zu zeigen, dass wir für die Zukunft unseres Zuhauses engagiert einstehen. Zulange waren die Jugendlichen für die Politik eine Randgruppe, leicht beeinflusst und für das Weltgeschehen irrelevant. Diesem Irrglauben stehen wir zu Hunderttausenden auf der ganzen Welt entgegen, und jeder der heute hier ist, trägt zum Schutz unseres einzigartigen Planeten bei.

 

Im Kontext des Klimaschutzes wird von der Erde, besonders im Lager der Christdemokraten, oft von der Schöpfung Gottes gesprochen. Als Christ stimme ich dieser Einschätzung zu. Dennoch scheiden sich die Wege, zwischen meinen Vorstellungen zum Klimaschutz und denen der Union. Wo viele uns diese Lobpreisung der Erde als Zeichen des Handels verstehen würden, dient sie eigentlich nur als leere Phrase, denn die Worte stellen hier ein komplettes Negativ zu den Taten dar. Wieder und wieder verfehlt die Bundesregierung selbstgesteckte Ziele, und mit jedem Jahr und jeder neuen Eilmeldung und jeder Demonstration geht die Politik immer mehr auf Konfrontationskurs.

 

Dies fängt auf kommunaler Ebene an und scheint nirgendwo aufzuhören. Letzten Dienstag besuchten manche von uns das Gemeinderatstreffen, wo über die Klimaresolution, aber noch wichtiger über das Thema Klimanotstand rege diskutiert wurde. Es war beeindruckend zu sehen, wie die sonst so lakonischen Politiker aus allen Seiten auf die Idee einfeuerten. Die Gründe für diesen Wandel in der Natur des gemeinen Politikers wurden schnell genannt, Singen tue schon genug, der Notstand sei nichts als Pathos, er würde Hysterie hervorrufen. Die Konstanzer meinen es doch gar nicht ernst, es werden ja noch immer Raketen und Böller am Seenachtsfest abgefeuert. Klar, Schwerindustrie muss nicht reguliert werden, wenn man auch Familien die Freude am Seenachtsfest nehmen kann, selbes Ergebnis!

 

 

 

 

Windräder seien unvertretbar, es werden doch seltene Metalle verwendet, die oftmals unter unmenschlichen Bedingungen in China abgebaut werden. Dass China praktisch ein Marktmonopol hat, weil sich die deutsche Regierung weigert, die heimischen Vorkommen zu fördern und zu subventionieren, wie es mit der Kohleindustrie geschieht, ist ja leicht zu vergessen. Das würde ja bedeuten, dass man seine Arbeiter gescheit bezahlen müsste. Ein Unding!

 

Es bedrückt mich, dass wir auf jeder politischen Ebene unser Vertrauen in alte Gesichter setzen, dass am Willen des Bürgers komplett vorbeiregiert wird, das ist doch schnell vergessen wenn das neue Einkaufszentrum erbaut wird.

Wenn wir schon bei Kommunalpolitik sind, ich habe letztens einen aufschlussreichen Artikel im Südkurier gelesen, der manchen von euch sich bekannt vorkommt. Der Titel war „Konstanz redet und Singen macht’s“, es ist mir hiermit eine Freude, euch nun einen kleinen Ausschnitt zu präsentieren:

„Die Kernziffern beim Wettbewerb um den European Energy Award verdeutlichen, dass die Industriestadt Singen mit 72% der erfüllten Vorgaben gegenüber der Verwaltungs- und Universitätsstadt Konstanz (58%) um Längen voraus ist.“

Das Argument ist wahrlich unschlagbar, Singen schlägt sich gut, wieso unnötig Panik schüren. Das leuchtet auf, der Klimawandel macht sicher einen großen Bogen um Singen sobald er zu hören bekommt, dass wir 72% im European Energy Award haben. Nicht, dass sich sonst jemand unter uns damit rühmen würde, dass man 72% der geforderten Arbeit macht.

 

Das Schockierenste ist jedoch, dass der Klimawandel als eine zukünftige Bedrohung betrachtet wird. Die Folgen des Klimawandels sind in vielen Länder aber schon gewaltig zu spüren. Dürre- und Flutgefährdete Gebiete haben immer wieder mit Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes zu kämpfen. Ernten fallen aus, Nahrungspreise steigen ins Unermessliche, Krankheiten plagen das sowieso überforderte Gesundheitssystem. Wir leben mit unserer Politik auf dem Rücken anderer Menschen, die für unseren maßlosen Konsum leiden und sterben müssen. Jede Verschiebung einer Abstimmung, jede abgelehnte Forderung seitens der Klimaschützer, jeder Rückzieher verschlimmert die Situation für Menschen, die schon so ein schweres Kreuz zu tragen haben.

Bei all dem Leid darf man sich fragen, sollten Länder wie Uganda oder die Philippinen den Klimanotstand ausrufen, oder ist das nur leere Panikmache.

Sag der trauernden Mutter, dass zwar ihr Kind verhungert sei, aber keine Sorge, Singen am Hohentwiel stellt sicher besser an als Konstanz.

 

Als Bürger dieses Landes fühlt man sich bei dieser Welle an Ungerechtigkeit überfordert, was soll man tun? Die Antwort? Wählt, protestiert, diskutiert! Wählt nicht nur eine Partei, weil der Papa es auch macht, bemächtigt euch eurer Stimme! Die Früchte unseres Handels werden unseren Nachfahren Erbe sein, und ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam einen Stein ins Rollen bringen können, den sogar unser Oberbürgermeister nicht herabreden kann. Diesen Sonntag liegt es in eurer Hand, ob ihr all denen auf die Schulter klopft, die unsere Welt Schritt für Schritt in den Abgrund stürzen, oder ob ihr euch ihnen in den Weg stellt und sagt Stopp!

Wir haben lange genug tatenlos zugesehen, denn die Politik redet, und die Bürger machen’s!

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